A.C. KUPPER
REVOLUTIONÄRE MITTELKLASSE VOL.II
Ausstellungsdauer: 11. September – 15. Oktober 2009
Eingeladen von Oliver Ross
Vita A.C. Kupper:
A.C. Kupper. *6.2.62
1969 - 1980: Schule
seit 1979: Viele Bands, Konzerte, Kunst,
Ausstellungen, DJ, Reisen, Grafik, Werbung, Film
1994: Gründung von Suntic Records Zürich
mit Patrick Hollenstein
1996 - 2003: NEUROPA / Laden für Musik, Kunst, Edition
1997: Gründung von Neuer Kunst und Medienverlag Zürich
1998: Radio War - Science Fiction Documentary / 55min
seit 2006: A.C. Kupper_ Modern, Raum für Zeitgenössische Kunst
2008: Grand Prix Design vom Bundesamt für Kultur/Schweizerische Eidgenossenschaft
2010: Publikation, Revolutionäre Mittelklasse,
Edition Patrick Frey, 2010
Dada rettet die Romantik (Oliver Ross, 2009)
Die Fotographien des Züricher Künstlers Alain Kupper zeigen seltsame Personalities. Seine Porträts von humanoiden Mischtypen bilden nicht eindeutig ab, welchen identifizierbaren Genres oder Szenografien sie entstammen: Problematische Bilder neuer Menschen.
Alain Kupper zeigt in seiner Ausstellung “Revolutionäre Mittelklasse Vol. II (11.09.-15.10.09)” in der Galerie Walk Of Fame problematische Bilder vom neuen Menschen. Es handelt sich um Porträts, die vielleicht dieser humanistischen Prämisse folgen: Dem Subjekt als Person sei so facettenreich zu begegnen, wie es vor dem Hintergrund banaler Sachverhalte sein will. Hat man dabei ein sensibles Menschenbild, zeichnen sich manche Schattierungen oft nur weich ab, und wenn das ein Künstler ins Bild bringen will und sich dabei auf Film und Fotografie als Vorbild gebende Genres bezieht, scheint digitale Bildbearbeitung wie geschaffen dafür: Fotografie als Malerei, so wie sie es schon immer war.
Es gibt allzu viele Vorbilder, die noch vor kurzer Zeit gehaltvoll waren, es aber heute nicht mehr sind. Sie haben sich eigentlich erledigt und dienen als Refugium für Imitationen. Wie oft hat man es schon gehört: „Ich erfinde mich immer neu“ und es nur noch als Werbeslogan halb geglaubt. Aber auf die moderne Notwendigkeit der spielerischen Identifizierung hinzudeuten, war und ist wichtig, denn viele können die Freiheit zur Selbstbestimmung nicht aushalten und klammern sich daher an überkommene Codes. Das dazugehörige Verhalten nennt man dann verklemmt.
Auch Kupper geht es wie vielen anderen Künstlern um Codierungen, um Rollenverständnis, um Geschlechter, um Mode, Film, Rockmusik, Kino und Krieg.
Wenn Künstler einen Umgang mit ihren Betroffenheiten in Bildern suchen, von was ist dann Kupper betroffen? Von der Schwierigkeit, noch Bilder zu (er)finden, die es mir ermöglichen, in ihrem Hof nuancenreiche Begegnungen zu haben? Nichts an diesen Fotomalereien erschöpft sich etwa im Transenkult, nichts legt sich ab in Rockerästhetik, weil die Beispiele dafür zu ihrer Zeit so gut und neu waren, dass sie heute besser wirken als ihre perfektionierten und oft lang und breit zelebrierten Nachahmungen. Und damit kennt sich Kupper bestens aus. Seine weich collagierten Bilder halten sich deswegen zum Glück in identifikatorischer Schwebe. Sie verleugnen dabei nicht ihre harten backrounds. Sie wecken mein Interesse: Was sind das für Typen? Welchen Szenografien entstammen diese Portraits? Sie haben auch Mut zur hässlichen, unverdaulich grausamen Selbstvergewisserung. In ihren gefühlten Erfindungen von Mischtypen, die nichts von Fabelwesen oder sonstigem falsch verstandenen Romantik-Kitsch haben, berühren diese Bilder noralgische Punkte der heutigen Retro-Kultur unseres Selbstverständnisses. So wird die heutige Fülle an diesbezüglich relevanten Bildern wieder zum Schatz und Kuppers Bild-Genesen verdanken sich – so wie jeder Mensch und seine im besten Sinne fragwürdige Erscheinung – langen Traditionsketten unterschiedlicher Mischpoken. (Oliver Ross, 2009)
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